Aktualisierung am 07.03.2021: Ich habe zwei Änderungen an dem Blogbeitrag vorgenommen: Zum einen scheint der Stromverbrauch, der bei einer Bitcoin-Zahlung anfällt, im Vergleich zu der Zahlung mit einer Visa-Kreditkarte deutlich höher zu sein, als ich hier bisher mit einem Drittel Differenz angegeben habe. Darüber hinaus habe ich ergänzt, dass jede Bitcoin-Transaktion, wenn auch ohne konkrete Details zur jeweiligen Zahlung, als solche nachverfolgt werden kann.

Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin verzeichnet momentan Rekordstände. Ähnlich geht es anderen Kryptowährungen. Hierbei stellt sich die Frage nach der Zukunft nicht nur des Bitcoin, sondern der Kryptowährung an sich. Werden wir zukünftig tatsächlich mittels digitaler Coins Zahlungen abwickeln oder wird sich eines der alternativen Zahlungsmodelle durchsetzen?

Einige würden an dieser Stelle vielleicht anmerken, dass digitale Zahlungen mittels Kryptowährungen längst nicht nur möglich, sondern verbreitet sind. Hierin besteht indes noch einer der gegenwärtigen Knackpunkte einer Kryptowährung: Wirklich viele Stellen, die Kryptowährungen als Zahlungsart akzeptieren, gibt es bislang nicht. Nur vereinzelt akzeptieren Online-Händler und -dienstleister kryptische Währungen wie den Bitcoin. Oftmals handelt es sich hierbei um Plattformen, die der Techniker-Szene zugewandt scheinen. Für die breite Masse scheinen Kryptowährungen indes noch nicht brauchbar zu sein. Solange man mit der Lupe suchen muss, um beispielsweise einen Online-Shop zu finden, der die Bezahlung mit digitalen Währungen akzeptiert, handelt es sich bei Kryptowährungen nicht um eine massentaugliche Bezahlweise.

Steht der Durchbruch der Kryptowährungen kurz bevor?

Dies kann sich mit der Zeit natürlich noch ändern. So ermöglicht es der Bezahldienst PayPal seit kurzem, die Kryptowährungen Bitcoin, Litecoin und Ethereum zu kaufen, diese in der digitalen PayPal-Wallet zu verwahren und nach Belieben wieder zu verkaufen. Dies war mit Sicherheit ein bedeutender Schritt für die Kryptowährung an sich. Dies allein ist indes noch kein Garant für den zukünftigen Erfolg der Kryptowährungen. Momentan sind Kryptowährungen insbesondere für Anleger interessant, starke Kursschwankungen verunmöglichen indes, in Kryptowährungen gegenwärtig ein beständiges Zahlungsmittel zu erblicken. Einige Stimmen gehen davon aus, dass insbesondere der Bitcoin in naher Zukunft erst stark steigen, dann sinken und sich auf ein beständiges Level einpendeln wird, sodass dann die bislang nicht vorhandene Beständigkeit eintreten könnte. So könnte es tatsächlich kommen, muss es aber nicht.

Die Blockchain-Technologie ermöglicht anonyme Bezahlungen

Ein großer Vorteil von Kryptowährungen wie dem Bitcoin ist, dass sie anonyme Geldtransaktionen ermöglichen. Allerdings kann jede Zahlung im System als solche nachverfolgt werden, auch wenn keine Details zu der jeweiligen Bezahlung bekannst sind. Anders als beispielsweise eine Kreditkartenzahlung oder auch eine Zahlung mit PayPal-Guthaben ist die konkrete Zahlung mittels einer Kryptowährung für Dritte nicht nachvollziehbar. In Zeiten zunehmender staatlicher Überwachung und auch des Datenhungers großer Tech-Konzerne wie Facebook oder Google ist dies besonders attraktiv. Dass der Umstand der Anonymität auch zu illegalen Aktivitäten einlädt, ist für mich kein Grund, eine Technologie wie die Blockchain-Technologie abzulehnen. Kriminalität ist dann eine unvermeidbare Begleiterscheinung, die man entweder anderweitig an der Wurzel packen oder, wo dies (noch) nicht möglich ist, schlicht hinnehmen muss, bis man sie an der Wurzel packen kann. Kriminalität darf auch kein Grund sein, die Bargeldzahlung gänzlich aus dem Bezahlalltag zu verdrängen.

Wird die Bank entbehrlich?

Kryptowährungen werfen einen, aus meiner Sicht, weiteren wichtigen Aspekt auf. Sie ermöglichen es, Zahlungen völlig unabhängig von einer Bank als Kreditinstitut abzuwickeln. Würden sich Kryptowährungen als wesentliches Zahlungsmittel in der breiten Bevölkerung weltweit durchsetzen, so wäre dies für das Bankensystem möglicherweise vernichtend. Wozu benötige ich noch ein Girokonto bei einer Bank, wenn ich meine Geldmittel auch in einer digitalen Wallet aufbewahren kann, auf welche nur ich selbst Zugriff habe? Warum sollte ich mein Geld dann noch etwaigen Risiken einer Bankeinlage aussetzen?

Schon heute ist das digitale Bezahlen üblich

Bargeldlose Zahlungen sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Eine völlig kontaktlose Zahlung ist beispielsweise mittels des Zahlungsdienstes „Apple Pay“ längst möglich. So kann man längst mit der eigenen Kreditkarte im Supermarkt bezahlen, ohne dass der Kunde in Kontakt mit einem Zahlungsterminal kommen müsste. Mit einer Apple-Watch genügt es, den Arm in die Nähe eines solchen Zahlungsterminals zu halten, um die gewünschte digitale Zahlung abzuwickeln. In China soll bereits ein Lächeln genügen, um etwas zu bezahlen, Sensoren und Algorithmen machen dies möglich. Braucht es da wirklich eine Kryptowährung, die ich erst gegen eine unserer üblichen Währungen wie Euro oder US-Dollar eintauschen muss? Eine Kryptowährung könnte es indes auch ermöglichen, völlig unabhängig von den gängigen Währungen zu werden. Ein Kollaps beispielsweise des Euro könnte dann für den gängigen Zahlungsverkehr nebensächlich sein.

Blockchain – die Technologie der Zukunft?

Der Umstand, dass es keine zentrale Stelle gibt, die Zahlungen mittels Kryptowährungen durchführt, macht die Blockchain-Technologie sicher. Jeder Nutzer im System trägt zur Sicherheit einer jeden Krypto-Zahlung bei. Problematisch ist der Umstand, dass die Verifizierungsprozesse, die im Rahmen der Blockchain-Technologie erforderlich sind, um Zahlungen zu ermöglichen, enorme Rechenleistungen nötig machen, die wiederum in einem enormen Stromverbrauch münden. Die digitale Zahlung mit einer Visa-Kreditkarte im Vergleich verbraucht einen Bruchteil an Strom, der bei einer Bitcoin-Zahlung anfällt. Hier besteht meines Erachtens Verbesserungspotential. Es stellt sich die Frage, ob die Verifizierungsprozesse, die im Rahmen der Blockchain-Technologie notwendig sind, nicht anders als durch das Lösen komplexer mathematischer Rätsel, wie es momentan noch nötig ist, erfolgen kann. Die Kryptowährung IOTA verfolgt einen anderen technischen Ansatz: Die Tangle-Technologie, die dieser Währung zugrunde liegt, ermöglicht ebenfalls anonyme und verifizierte Zahlungen, verbraucht indes deutlich weniger Strom als Kryptowährungen, die auf der Blockchain-Technologie basieren. Doch auch die Krypto-Währung IOTA konnte sich bislang nicht als Zahlungsmittel durchsetzen. Entscheidend für die Frage, ob sich Kryptowährungen durchsetzen werden, dürften die kommenden Jahre und Jahrzehnte werden.

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